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Interviews, 25. Februar 2026

5 Minuten

Wilde Ausstellung: Stadtnatur im Museum

Die inatura – Erlebnis Naturschau Dornbirn ist Vorarlbergs (AT) Naturkundemuseum der besonderen Art. Natur, Mensch und Technik können interaktiv und multimedial erlebt werden. Die aktuelle Sonderausstellung „Wildnis Stadt“ lädt Besucher:innen ein, die Vielfalt der Natur in ihrem unmittelbaren Umfeld, im Siedlungsraum, zu entdecken. Wie behaupten sich Wildtiere in urbanen Räumen? Welche Konflikte entstehen dabei und wie können wir diese in ein harmonisches Miteinander überführen? Dioramen, interaktive Elemente und spannende Informationen regen zum Nachdenken über diese und weitere Fragen an und helfen dabei, ein besseres Verständnis für den urbanen Lebensraum und seine tierischen Bewohner zu entwickeln. Die Sonderausstellung „Wildnis Stadt“ ist ein Kooperationsprojekt mit dem Haus für Natur Niederösterreich.

Was verstehen Sie persönlich unter „Wildnis“ im urbanen Raum?

Wenn wir von Wildnis in der Stadt sprechen, dann geht es in unseren Siedlungsräumen natürlich nicht um ausgedehnte, unberührte Naturräume fern von menschlichen Einflüssen. Aber überall dort, wo Wildpflanzen und Wildtiere Lebensraumnischen in unseren Städten über längere Zeit oder gar dauerhaft nutzen und dort eigene Dynamiken entstehen dürfen, kann man durchaus von Wildnis im urbanen Raum sprechen.

Was war der Ausgangspunkt für die Ausstellung „Wildnis Stadt“ – und warum ist dieses Thema gerade jetzt so relevant?

Wildtiere im Siedlungsraum gab es zwar schon immer, doch ist das Thema durch zunehmende Forschung dazu und Aufmerksamkeit in den Medien in den letzten 10-20 Jahren in der Gesellschaft immer präsenter geworden. Auch Anfragen zu Beobachtungen von Pflanzen und Tieren an unsere Fachberatung haben in den vergangenen Jahren zugenommen. Inzwischen haben sich verschiedene Museen diesem Thema bereits gewidmet, in unserem Fall haben wir dabei mit dem Haus für Natur in St. Pölten eng zusammengearbeitet. Dadurch, dass wir auch den gleichen Titel gewählt haben, zeigen wir gemeinsam auf, dass das Thema von überregionalem Interesse ist.

Welche Bedeutung hat Umweltbildung im Museumskontext für den Umgang mit urbaner Biodiversität?

Ich glaube, dass es von entscheidender Bedeutung für das Verständnis von Biodiversität auch in unseren Siedlungsräumen ist, wenn es entsprechende Umweltbildungsangebote gibt, indoor und outdoor. Bei uns lassen sich einige Lebewesen der Ausstellung direkt im Stadtgarten entdecken, in dem die inatura liegt. So wird deutlich, dass wir kein abstraktes Thema behandeln, sondern dass uns das unmittelbar umgibt und betrifft.
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Erfolgreiches Besammeln von Ersatzlebensräumen, Foto © inatura

Begegnen Ihnen in der Ausstellung sehr unterschiedliche Vorstellungen davon, wie Natur in der Stadt sein sollte?

Natürlich gibt es verschiedene Vorstellungen davon, wie viel Raum wir welchen Pflanzen und Tieren ermöglichen sollten, manche Arten können uns im Alltag ja auch mal zu schaffen machen. Pollen von manchen Baumarten sind für Menschen mit Allergien verständlicherweise ein Thema und niemand freut sich über einen Marderschaden am Auto. Doch insgesamt erlebe ich eher, dass sich Menschen zunehmend dafür interessieren, etwa im eigenen Garten mehr „Wildnis“ zuzulassen – und auch in vielen Städten und Gemeinden gibt es tolle Konzepte für mehr Naturnähe.

Welche Möglichkeiten zur Interaktion mit den Exponaten bietet die Ausstellung und weshalb?

Man kann beispielsweise einigen Tierpräparaten ganz nah kommen – viele zeigen wir ganz bewusst nicht hinter Glas, um eine möglichst unmittelbare Erfahrung zu ermöglichen und so Empathie und Interesse zu wecken für diese Lebewesen. Es gibt auch eine Station, an der man selbst das morgendliche Vogelkonzert im Frühjahr steuern kann, um so die Vogelwelt besser kennenzulernen, die viele Menschen doch eher als „Soundkulisse“ am frühen Morgen wahrnehmen. Ein Spieleparcours speziell für das jüngere Publikum vermittelt, wie man im eigenen Garten Biodiversität mit einfachen Mittel fördern kann.
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Unterschiedliche Impressionen aus der Ausstellung, Fotos © inatura

Gibt es Ausstellungsmodule oder Exponate, auf die die Besucher:innen besonders stark reagieren?

Die Tierpräparate in den Dioramen zu Ersatzlebensräumen wecken sehr großes Interesse. Auch in unserem kleinen Nachtbereich, in dem man verschiedene Tierstimmen hört und die dazugehörigen Tiere entdeckt, verweilen viele Besucher:innen längere Zeit. Der Spieleparcours und das Vogelstimmenkonzert sind weitere Elemente der Ausstellung, die viel genutzt werden.

Haben Sie den Eindruck, dass sich der Blick der Besucher:innen auf „verwilderte“ Orte durch die Ausstellung verändert?

Pauschal kann man das natürlich nicht sagen, doch wir bekommen sehr positive Rückmeldungen zur Ausstellung.
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Unterschiedliche Impressionen aus der Ausstellung, Fotos © inatura

Welche Erkenntnisse sollten Besucher:innen im besten Fall vom Besuch der Ausstellung mitnehmen?

Ich persönlich würde mich freuen, wenn Menschen die Ausstellung verlassen und ihnen vielleicht schon am Heimweg eine Pflanze oder ein Tier auffällt, die sie sonst vielleicht gar nicht wahrgenommen hätten. Und wenn sie Lust bekommen in ihrem eigenen Wirkungsbereich, also etwa zu Hause oder im Umfeld der Schule, aktiv zu werden.

Möchten Sie uns noch etwas mitgeben, das wir Sie nicht gefragt haben?

Es freut uns sehr, dass die Ausstellung und das Thema bei Ihnen auf Interesse gestoßen sind. Vielen Dank dafür!

Die Sonderausttellung läuft bis zum 7. Juni 2026. Hier gibt es weitere Infos.

Die Fragen beantwortete:

Ines Linke,
Ausstellungskuratorin und Museumspädagogin.

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