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Weil jeder Quadratmeter zählt – Eva Stengels unermüdlicher Einsatz für die „Miniwildnis“

Mit der Kampagne „Miniwildnis – Wir wollen wild!“ setzt du dich für Kleinstwildnis in der Stadt ein. Bitte erkläre uns genauer, worum es bei „Miniwildnis“ geht.
Wie kam es zu der Idee?
Ein Besuch an einem von einem Biber umgestalteten Areal. Dort wurde ich von einer Bekannten angesprochen, die mich empört darauf hinwies, wie es denn da aussähe: Chaotisch, zerstört, unordentlich: Kurz fürchterlich!
Dabei sind gerade die vom Biber gestalteten Flächen voller Leben – und der Biber leistet einen ungeheuer wertvollen Beitrag zur Klimaanpassung, zur Wiederherstellung von Artenvielfalt, zum Wassermanagement. Allerdings eben nicht in den Augen derer, die nur noch vom Menschen durchgestylte Landschaften, Grünflächen und Gärten gewohnt sind. Und das ist inzwischen die Mehrzahl.
Es braucht dringend ein Umdenken, eine andere Wahrnehmung! Und das funktioniert nicht mit Alarmismus, mit erhobenem Zeigefinger, sondern am ehesten mit dem Wecken von Interesse und Akzeptanz.
Was sind deine drei besten Tipps, was jede:r selbst und ohne viel Aufwand und Geld dazu beitragen kann, dass mehr Miniwildnis entsteht?
Tipp 1: Großzügig und entspannt werden! Selbst jeder Blumentopf auf dem kleinsten Stadtbalkon zählt, in dem neben der gewohnten Flora auch mal ein wildes Gewächs stehen bleiben darf. Denn vielleicht ist es genau das Wildkraut, das wiederum eine spezialisierte Raupe oder eine Wildbiene ernährt.
Tipp 2: Sich schlau machen! Es ist das reine Vergnügen mit Hilfe von Apps wie Flora Incognita Pflanzen zu bestimmen – oder mit anderen den Namen von Tieren herauszufinden. Was man nicht alles an Spannendem erfährt! Wir leben – selbst inmitten der Stadt – in einem unvorstellbar wertvollen, reichen Lebensnetzwerk: Alles hängt zusammen – und wir sind darauf angewiesen, dass es auch weiterhin besteht.
Tipp 3: Nichts – oder mindestens weniger tun! Wer sind die Gewinner?
Das Klima: Natur kennt genau die Pflanzen, die am besten – auch in heißen Zeiten – gedeihen.
Tiere und Pflanzen: Vieles braucht vor allem Raum und Zeit, um anzukommen, um sich zu entwickeln und die volle Wirkkraft zu entfalten.
Wir selbst: Wir gewinnen die Zeit, um zu beobachten, zu verstehen, zu entspannen und uns zu finden.

Und welche drei Empfehlungen würdest du Kommunen mitgeben?
1. Erklärt den Erhalt der regionalen Biodiversität zum gemeinschaftlichen Ziel!
2. Schult die Mitarbeiter:innen, die die kommunalen Flächen betreuen, entsprechend.
3. Erhaltet und schafft so viel grüne, naturnahe Flächen wie nur irgend möglich.
Kürzlich hast du gemeinsam mit dem Ökologen und Naturschützer Michael Altmoos das Buch „Miniwildnis für Alle“ veröffentlicht. Wer sollte euer Buch unbedingt lesen – und weshalb?

Im Vorwort heißt es: „Miniwildnis fängt im Kopf an“. Was meint ihr damit?
Eine wichtige Rolle spielt im Buch auch die Haltung, dass der Mensch Teil der Natur ist. Weshalb betont ihr das?

Was ist dein Lieblings-Beispiel für erfolgreiche Miniwildnis?
Ich tendiere dazu, die Leistungen eines jeden Löwenzahns, der sich durch eine Asphaltfläche gekämpft hat, zu feiern! Was für ein Beispiel an Resilienz, für Hoffnung, für Überleben – selbst unter widrigsten Bedingungen.
Aber tatsächlich gibt es großartige „große“ Beispiel wie zum Beispiel das Auferstehen eines Waldes nach einem Waldbrand, die Wiedergeburt der Natur in aufgelassenen Steinbrüchen, auf Abraumhalden, auf Abbruchflächen in der Stadt. Oder das Wiederaufblühen einer Wiese, einer Rasenfläche, die man aufhört zu düngen und nur noch maximal zweimal pro Jahr mäht. Das Leben, dass sich auf ehemaligen Truppenübungsplätzen einfindet. Ja: All diese Flächen, die zurückkommen, wenn menschliches Tun weniger wird.
Was bleibt als Ratschlag im Wahnsinn dieser Zeit?
Werdet Miniwildnis Fans – das macht froh und optimistisch!
